Zoff am Gartenzaun

 

Christina Wenz

Letzte Woche habe ich über die Rechte und Pflichten in Ihrem Garten geschrieben. Was Sie dürfen und wo Sie sich informieren sollten, wenn Sie größere Veränderungen in Ihrem Garten planen.

Aber manchmal krachts schon mit den Nachbarn am Gartenzaun. Manchmal schon beim Tag des Einzugs, manchmal auch erst später. In jedem Fall, kann einen so ein Garten-Nachbarschaftsstreit richtig Nerven kosten. Und im schlimmsten Fall auch Lebensfreude.

Meistens entstehen die Streitigkeiten über Kleinigkeiten: Die Hecke ist zu hoch, der Baum wirft seine Blätter immer in den Nachbargarten, die Tanne verschattet das Wohnzimmer. Aber je länger sich das hinzieht, desto mehr schaukelt es sich hoch.

Ich hatte nicht nur einmal Kunden, die Ihren Sichtschutz so hoch haben wollten, dass Sie Ihren Nachbarn möglichst niemals zu Gesicht bekommen müssen.

Wenn gar nichts mehr geht, sieht der übliche Weg so aus: ich wende mich an einen Anwalt, beantrage einen Sachverständigen und es beginnt ein Prozess von Streitigkeiten, Gutachten und Gegengutachten. Das ist nervenaufreibend und in den meisten Fällen auch sehr zeitraubend.

Deutlich schneller und nervenschonender kann es unter Umständen mit einem Mediator gehen. Um gemeinsam mit dem Nachbarn eine Lösung zu finden.

Deshalb freue ich mich heute, Ihnen Christina Wenz vorstellen zu dürfen!

Im Interview erklärt sie, wie ein Mediator in Sachen Nachbarstreit helfen kann:

 

Liebe Christina Wenz, erst einmal: Was unterscheidet einen Mediator von einem Rechtsanwalt?

Ein Mediator ist für alle Parteien da und hilft ihnen dabei, gemeinsam eine friedliche Lösung zu finden. Der Rechtsanwalt vertritt nur die Interessen seines Auftraggebers und versucht diese vor Gericht durchzuboxen.

 

Was ist denn der Vorteil von einer Mediation gegenüber einer gerichtlichen Einigung?

Eine Mediation ist fast immer schneller und günstiger als ein Gerichtsverfahren. Ein weiter Vorteil, der auch in Nachbarschaftsstreitigkeiten eine große Rolle spielt, ist, dass Mediation dabei hilft, das Nachbarschaftsverhältnis wiederherzustellen oder zu erhalten. Das gelingt nicht immer, aber oft. Gerichtsverfahren hinterlassen oft verbrannte Erde und endgültigen Nachbarschaftskrieg.

 

Nehmen wir an, der Nachbar hat einen großen Baum viel zu nah an die Grenze gepflanzt und mir fallen ständig die Blätter im Herbst in den Garten. Im Sommer habe ich keine Sonne mehr auf der Terrasse. Alles Reden mit dem Nachbarn nützt nichts, da beiße ich auf Granit. Ist für so einen Fall die Mediation eine gute Möglichkeit?

Grundsätzlich auf jeden Fall ja! In solchen Fällen kann man mit Mediation gute Lösungen finden. Allerdings ist eine Mediation nur dann möglich, wenn alle Beteiligten bereit sind, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzten und eine Lösung zu suchen, mit der alle Beteiligten gut leben können. Wenn der Nachbar nicht mit zum Mediator gehen will, kommt noch ein Konfliktcoaching in Betracht, in dem man alleine mit dem Mediator schaut, was man tun kann, um die Situation für sich zu verbessern und erträglicher zu machen.

 

Was ist ein Konfliktcoaching?

Beim Konfliktcoaching schaue ich mit dem Einzelnen, was er tun kann, um die Streitsituation zu verbessern und dadurch wieder zu mehr Wohlbefinden zu gelangen. Ein Konfliktcoaching ist auch telefonisch gut durchführbar.

 

Wenn ich das Gefühl habe, eine Mediation wäre das Richtige für mich und meine Nachbarn, wie sollte ich das dann angehen?

Als Erstes würde ich empfehlen, dem Nachbarn in einem ruhigen Gespräch zu sagen, wie es mir mit der Situation geht und dass mir  das gute Nachbarschaftsverhältnis wichtig ist. Dann würde ich fragen, ob er bereit ist, gemeinsam mit einem Mediator nach einer guten Lösung zu schauen. Wenn das der Fall ist, dann empfehle ich, dass einer oder beide zusammen mal im Internet googeln und schauen, welche Mediatoren es vor Ort gibt.

 

Dann kann man ja mal einen oder mehrere Mediatoren anrufen und sich über die Erfahrung, Kosten, Ablauf der Mediation usw. erkundigen. Hier ist meist das Gefühl ausschlaggebend, dass der Mediator kompetent wirkt und dass ich gut mit ihm reden kann.

 

Wichtig ist zu wissen, dass der Begriff „Mediator“ derzeit gesetzlich nicht geschützt ist, sich also grundsätzlich jeder „Mediator“ nennen kann. Mediatoren mit recht umfangreicher Ausbildung und auch Erfahrung im Mediieren findet man z.B. beim Bundesverband Mediation.

 

 

Habe ich dann einen verbindlichen „Vertrag“ mit meinem Nachbarn, in dem der Sachverhalt klar geregelt ist?

Genau das ist das Ziel einer Mediation! Eine Mediation wird mit einem in der Regel schriftlichen rechtsverbindlichen Vertrag abgeschlossen.

 

Wann ist der Punkt, an dem ich auf geltendes Recht verweise, oder vielleicht sogar rechtliche Schritte einleite?

Das ist dann sinnvoll, wenn man merkt, dass die Situation komplett eskaliert und keinerlei Gespräche mehr möglich sind. Dann ist auch in der Regel keinerlei Bereitschaft für eine Mediation mehr da. In einer solchen Situation hilft oft nur noch der Gang vor Gericht.

 

Oft  pflanzen Nachbarn zusammen eine Hecke auf der Grundstücksgrenze, weil sie dadurch Platz und Kosten sparen. Manchmal gibt es in den Jahren danach Streit darüber, z.B. wer die Hecke schneiden soll, wie hoch sie sein darf usw. Was würdest Du raten, um so etwas zu vermeiden. Kann man da eine schriftliche Vereinbarung treffen? Und wenn ja, was sollte in der drin stehen?

 

Schriftliche Vereinbarungen zwischen Nachbarn machen auf jeden Fall immer Sinn. Hier sollte man sich vorab allerdings erkundigen, was zwingendes Recht ist und was nicht. Wenn die Sache, über die Nachbarn sich einigen wollen dispositiv ist – also von Gesetzes wegen – individuell geregelt werden kann, würde ich immer zu möglichst schriftlichen Vereinbarungen raten. Hier sollten alle Details dann festgehalten sein, damit es nicht irgendwann zu Unsicherheit und Unklarheit und möglicherweise zu Streit kommt.

 

Muss man das von einem Anwalt aufsetzen lassen oder reicht das auch in einfacher Form zwischen den Parteien zu regeln?

Bei wichtigen Punkten rate ich dazu, sich sicherheitshalber immer rechtlichen Rat einzuholen und ggfs. ein Schriftstück vom Anwalt aufsetzen zu lassen oder eben einen Mediator einzuschalten, der dann auch die rechtliche Situation in das Mediationsverfahren einbringt. Als Laie vergisst man doch schnell mal einen Aspekt, der später zu Streit führen könnte.

 

Manchmal sind es ja auch Dinge, die Ärger mit den Nachbarn hervorrufen, die ich nur bedingt beeinflussen kann. Wenn sich die Nachbarin zum Beispiel ärgert, dass meine Katze durch ihren Garten läuft. Ich kann meiner Katze ja schlecht sagen, dass sie diesen Garten meiden soll. Ich müsste sie ja einsperren. Wie kann ich in diesem Fall zu einer Einigung kommen?

In einem ersten Schritt würde ich immer in einem ruhigen Moment das Gespräch mit dem Nachbarn suchen. Hierbei ist wichtig, dem Anderen gut zuzuhören und ihm auch zu signalisieren, dass mir nicht nur meine, sondern auch seine Belange wichtig sind. Weiterführend ist hierbei auch die Frage, warum dem Anderen sein Standpunkt so wichtig ist. Legen Sie auch in aller Ruhe Ihre Sicht der Dinge dar. Oft lassen sich auf diese Weise gute Lösungen finden. Wenn dies alleine nicht gelingt, kann auch hier ein Mediator weiterhelfen und Sie dabei unterstützen, gemeinsam zu einer guten Einigung zu finden.

 

Vielen Dank liebe Christina! Zum Schluss würde ich gerne noch wissen, in was für einem Traumgarten Du lebst?

Wir wohnen direkt am Wald und haben viele Eichhörnchen und auch manchmal Füchse im Garten. Aus dem Gartentörchen heraus geht es direkt in den Wald, das ist toll und praktisch mit Hund. Wir wohnen am Hang, der Garten besteht daher aus 3 Etagen. Die Waldrandlage macht das Gärtnern nicht so leicht. Ich kämpfe ziemlich gegen die wilden Brombeeren, die das Grundstück auch teilweise stark umwuchern.

 

Ich würde den Garten als ziemlich urwüchsig bezeichnen, es gibt aber auch einige Beete mit Rosen, Lavendel und Hortensien sowie auch einen kleinen Teich. Und ein Hochbeet habe ich, in dem ich Salat, Tomaten, Radieschen und co. anbaue.

 

Ich liebe das Gärtnern als Ausgleich sehr, daher lese ich Deine Blogartikel auch sehr gerne!

 

Vielen Dank für das Interview Christina!

 

Christina Wenz ist Mediatorin, Juristin und Konfliktcoach.  Sie hilft Menschen dabei, in Streitsituationen friedliche Lösungen zu finden – Lösungen, bei denen man sich anschließend noch gut in die Augen schauen kann. Mehr über Mediation und einen guten Umgang mit Konflikten finden Sie auf ihrer Homepage: www.mediation-wenz.de.

Hier können Sie ihre  15 kostenlosen Tipps für entspannteres Streiten herunterladen: https://christinawenz.leadpages.co/15tipps/

 



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