Warum das Gießkannenprinzip nicht für den Garten taugt

So schön der Sommer mit den hohen Temperaturen auch ist – wenn nur das ständige Gießen nicht wäre, oder? Egal ob mit Gießkanne oder Schlauch, es ist mühsam und kostet Zeit. Aber gibt es dafür nicht auch eine App? Einfach über das Smartphone die Bewässerungsanlage ansteuern und während man schon längst im verdienten Schlaf liegt, macht die automatische Gießkanne das ganz von allein?

Kann man machen, ist aber für die meisten Pflanzen nicht von Vorteil. Denn Pflanzen sind uns Menschen gar nicht so unähnlich – sie suchen sich meistens den bequemsten Weg. Und der bequemste Weg für die Pflanze ist der, bei dem sie ihre Wurzeln nicht allzu weit nach unten wachsen lassen muss. Genau das passiert, wenn Sie Ihre Staudenbeete automatisch bewässern: die Pflanzen bleiben mit ihren Wurzeln nur an der Oberfläche, da es dort ja immer so schön feucht ist. Das heißt aber im Umkehrschluss auch: sie sind weniger widerstandsfähig, da sie nie kräftige Wurzeln nach unten ausgebildet haben. Bekommt eine Pflanze nur dann Wasser, wenn sie es braucht, muss sie sich viel mehr anstrengen, um das Wasser aufnehmen zu können, da sich der Wasservorrat weiter unten im Boden befindet. Diese Pflanze ist dadurch sehr viel robuster und gesünder.

Und wann die Pflanze Wasser braucht, hängt eben von der Art der Pflanze ab und lässt sich nicht „nach dem Gießkannenprinzip – einmal alle gleich besprenkeln“ lösen.

Deshalb gelten bei der Bewässerung von Gartenpflanzen die drei Ws:

WEN gießen, WANN gießen. Und WIE gießen?

Das gilt für Gehölze wie Stauden: alle Neupflanzung müssen in den ersten ein bis zwei Jahren regelmäßig gegossen werden. Das heißt ein bis zweimal die Woche, je nach Wetterlage.

Sind die Pflanzen eingewachsen, müssen sie deutlich seltener gegossen werden. Bei der richtigen Pflanzenauswahl müssen Sie Ihre im Beet wachsenden Pflanzen sogar gar nicht mehr gießen. Wenn sie am richtigen Standort stehen, kommen die Pflanzen ganz alleine zurecht. Deshalb schont eine gute Pflanzplanung Nerven und Ressourcen!

Anders sieht es bei Pflanzen in Töpfen und im Gemüsebeet aus. Hier muss im Sommer täglich gegossen werden. Und damit kommen wir zum

WANN:

Generell gilt: niemals in der prallen Sonne gießen. Denn abgesehen vom dann hohen Verdunstungsgrad, gibt das gerne Verbrennungen auf den Blättern. Am besten gießen Sie in den frühen Morgenstunden oder am Abend.

Eingewachsene Pflanzen gießen Sie nur, wenn sie sichtbar schlapp machen. Das ist bei standortgerechter Pflanzung nur an wenigen Hitzetagen der Fall.

WIE gießen

Stauden und Einjährige Pflanzen brauchen im Beet ungefähr 10Liter pro Quadratmeter, damit sie wirklich vom Wasser durchdrungen werden. Und das ist eben entscheidend: das Wasser darf nicht nur an der Oberfläche bleiben, sondern soll in den Boden eindringen, damit die Pflanze sich das Wasser über die Wurzeln bei Bedarf holen kann.

Junge Sträucher, z.B. von Hecken brauchen ca. 15Liter Wasser pro Pflanze bei einem Gießdurchgang, große Gehölze mit einem Stammumfang von 25cm ca. 100 Liter.

Am besten gießen Sie mit einem Schlauch. Den können Sie bequem an die Wurzel der Pflanze legen, moderat aufdrehen, so dass das Wasser gut versickern kann und den ersten Morgenkaffee dazu genießen!

Gießwasser aus Regenwasser gewinnen

Wenn Sie die Möglichkeit haben, in Ihrem Garten eine Zisterne zu installieren, oder sogar schon eine haben ist das eine Win-Win-Situation. Für Sie, weil Sie Kosten sparen, für uns alle, weil Sie eine kostbare Ressource schonen. Der Grundwasserspiegel sinkt fast überall ab und es zeichnen sich für viele Regionen lange Trockenheitsperioden ab. Diese schaden nicht nur unseren Gartenpflanzen sondern auch der Natur. Umso wichtiger ist es, dass wir sparsam mit unserem Wasserverbrauch umgehen. Außerdem ist der PH Wert des Regenwassers in der Regel besser für die Pflanzen, als der des Trinkwassers.

Allerdings gibt es bei der Bewässerung mit einer Zisterne ein paar Dinge zu beachten:

Sollten Sie doch mit einem Bewässerungssystem arbeiten, muss das Regenwasser aus der Zisterne unbedingt gefiltert werden. Denn das Wasser enthält einige Schlämmstoffe, die das empfindliche Bewässerungssystem leicht verstopfen.

Pflanzen mögen kein kaltes Wasser! Da sich die Zisterne unterhalb des Bodens befindet, ist das Wasser dementsprechend kalt. Besser ist es deshalb das Wasser aus der Zisterne in einem Regenfass zwischenzulagern, so dass es sich aufwärmen kann.

Fördern können Sie das Wasser aus der Zisterne ganz einfach mit einem Schlauch und einer Pumpe. Das bietet Ihnen Ihr Gärtner als Komplettlösung an.

Trockenkünstler:

Für heiße, regenarme Lagen, gibt es ein paar ganz besondere trockenheitsverträgliche Pflanzen. Generell können Sie Pflanzen, die mit weniger Wasser auskommen, an ihre Blättern erkennen: Pflanzen mit kleinen, eher gräulichen Blättern brauchen weniger Wasser, als Pflanzen mit großen Blättern. Die bekanntesten Beispiele sind sicher Lavendel und Rosmanrin. Aber auch ein paar andere Pflanzen sind wirkliche Trockenheitsexperten:  Sommerflieder, Bibernellrose, Schafgarbe (Achillea filipendulina), Wollzyst (Stachys byzantina) und Witwenblume (Knautia macedonica). Auch Gräser, wie das mexikanische Federgras (Stipa tenuissima ) und der Blauschwingel (Festuca cinerea) kommen ohne zusätzliches Gießen aus. Sie können diese Pflanzen übrigens auch wunderbar miteinander kombinieren!

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